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Autor
Moore, Liz

Der andere Arthur

Untertitel
Roman. Aus dem Amerikanischen von Cornelius Hartz
Beschreibung

Liz Moore lässt ihre beiden Arthurs ihre jeweiligen Geschichten erzählen, und sie tut das auf eine wunderbar stille, aber um so eindringlichere und fesselnde Weise. Wir erleben Kels Coming-of-age-Dramen, seinen Kampf um seine Identität. Und wir erleben den ehemaligen Literaturprofessor Arthur Opp der seit über einem Jahrzehnt sein Haus nicht mehr verlassen hat und gegen die Verwahrlosung kämpft. Die beiden Geschichten sind großartig montiert und von großer sprachlicher Kraft.

Der andere Arthur ist ein eindrücklicher und berührender Roman über Einsamkeit und über die Möglichkeiten, sie zu überwinden – durch Hilfe von anderen, aber mehr noch durch Hilfe für andere. Und das ist gerade heute eine sehr wichtige Erkenntnis, nicht nur für all die Mitarbeiter*innen der Einsamkeitsministerien, die gerade aus dem Boden gestampft werden.

(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
C.H.Beck, 2026
Format
Gebunden
Seiten
377 Seiten
ISBN/EAN
978-3-406-84333-4
Preis
26,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Liz Moore, geboren 1983, hat zunächst als Musikerin in New York gearbeitet und anschließend begonnen, Romane zu schreiben. Der andere Arthur ist 2012 unter dem Titel Heft in den USA erschienen und Liz Moores zweiter Roman. Bei C.H.Beck erschienen bereits ihre Romane “Long Bright River” (2020) und “Der Gott des Waldes” (2025), mit dem sie auch in Deutschland wochenlang unter den Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste stand. Liz Moore lebt mit ihrer Familie in Philadelphia.

Cornelius Hartz lebt als freier Autor und Übersetzer in Hamburg. Er hat zahlreiche Romane und Sachbücher u.a. von Rye Curtis, Edward Carey, Erin Flanagan, Daniel Mason und Catherine Nixey sowie Der Gott des Waldes von Liz Moore übersetzt.

Zum Buch:

Es waren zwei Ereignisse, die den Literaturprofessor Arthur Opp dazu bewegten, sich aus dem Leben zurückzuziehen. Das erste war die – unbegründete – Unterstellung eines Verhältnisses mit Charlene, einer seiner Studentinnen, dessentwegen er sich vor einem Universitätsausschuss hätte rechtfertigen sollen. Diesem demütigenden Schauspiel wollte er sich nicht aussetzen und gab seinen Job auf. Das zweite Ereignis lieferten die Anschläge des 11. Septembers, von denen er auf einem seiner seltenen Spaziergänge erfuhr und die ihm klarmachten, dass er mit seinem Schock, seinen Gefühlen und seinen Ängsten völlig allein war – es gab keine Menschenseele, mit der er darüber hätte reden, der er Trost spenden oder von der er Trost hätte empfangen können. Danach verließ er sein Haus nicht mehr. Sein Essen und alles weitere bestellte er über das Internet, Kontakte beschränkten sich auf das Annehmen der Lieferungen. Sein Haus verkam, und er wurde immer dicker.

Charlene dagegen, mit der er in lockerem Briefverkehr stand, hat ihr Studium abgebrochen, geheiratet und einen Sohn bekommen, der ebenfalls Arthur heißt, aber nach seinem Vater Kel genannt wird. Ihr Mann hat die Familie schon nach wenigen Jahren verlassen; sie arbeitete als Sekretärin an einer Privatschule, die schließlich auch ihren Sohn aufnahm. Soweit schien alles in Ordnung, bis sie eines Tages ihren Job schmiss, sich ins Haus zurückzog, zu trinken begann und dem 16jährigen Kel die Verantwortung für ihr und sein Leben zuschob.

Liz Moore lässt ihre beiden Arthurs ihre jeweiligen Geschichten erzählen, und sie tut das auf eine wunderbar stille, aber um so eindringlichere und fesselnde Weise. Wir erleben Kels Coming-of-age-Dramen, seinen Kampf um seine Identität zwischen dem heruntergekommenen Viertel, in dem er mit seiner Mutter lebt und in dem er verwurzelt ist, und dem großzügigen Wohlstand der Familien seiner Freunde und Freundinnen auf der Privatschule, seine Träume von einer Karriere als Baseballprofi, seine verzweifelten Versuche, seiner Mutter zu helfen. Und wir erleben Arthur Opps Kampf gegen die Verwahrlosung, den er mithilfe einer jungen mexikanischen Putzfrau führt. Die beiden Geschichten sind großartig montiert und von großer sprachlicher Kraft. Die Liebe zu ihren Figuren, die das Buch durchdringt, überträgt sich bei der Lektüre, und man verfolgt die Entfaltung der kleinen Fäden, die die Protagonisten verbinden, mit Spannung und Zuneigung.

Der andere Arthur ist ein eindrücklicher und berührender Roman über Einsamkeit und über die Möglichkeiten, sie zu überwinden – durch Hilfe von anderen, aber mehr noch durch Hilfe für andere. Und das ist gerade heute eine sehr wichtige Erkenntnis, nicht nur für all die Mitarbeiter*innen der Einsamkeitsministerien, die gerade aus dem Boden gestampft werden.

Irmgard Hölscher, Frankfurt a.M.