Zum Buch:
Haben Sie Kinder? Und können Sie mir dann sagen, ob vierjährige Knirpse schon etwas »cool « finden können? Obwohl ich mich selbst für einen ganz passablen Buchhändler halte, lese bzw. sehe ich mir keine Kinderbücher an, fehlt es mir doch einfach an der nötigen Zeit. Unter anderem. Trotzdem kommt es immer wieder vor, daß mich ein besonders gelungenes Bilderbuch zum Blättern anregt, ich mag ZeichnerInnen wie Nadia Budde, wie Peter Schössow. Erlbruch. Auf alle Fälle bin ich ab heute ein großer Barbara-Scholz-Fan, denn ihre Bilder zu “Das Monster vom blauen Planeten” sind
einfach cool. Ebenso die Geschichte dazu, die Cornelia Funke geschrieben hat.
Darin geht es um einen kleinen blauen Jungen, Gobo. Gobo hat drei Augen, drei Arme, und in seinem Bauch steckt eine Schublade, und er liebt nichts so sehr, wie Großvaters Geschichten über ferne Planeten zuzuhören. Vor allem über die komischen Monster, die dort leben. Der wohl merkwürdigste Planet, den Großvater einmal besucht hatte, war die Erde, wo gräßliche Gestalten leben, in bunte, lustige Lappen gestopft, mit Fell auf dem Kopf, kleinem Maul und ansonsten ziemlich bleich und
sie haben nur zwei Augen.
Monster eben.
Damals gelang es Großvater, einige Schnappschüsse zu machen, die jetzt an der Wand über Gobos Bett hängen. Gobo träumt davon, bald auch mal so ein Monster einfangen zu können, schließlich besitzen alle seine Kumpels lägst ein Haustier von irgendeinem fremden Planeten. Mindestens eins.
Und dann ist es endlich so weit. Zu seinem zweihundertsten Geburtstag bekommt er ein rotes Raumschiff geschenkt. Schon am nächsten Morgen startet er von den silbernen Hügeln seines Heimatplaneten Galabrazolus aus los. Sein Ziel ist die Erde, und es dauert dann auch nicht lange, da findet Gobo solch ein Monster und nimmt es mit nach Hause. Es ist kleiner als auf den Fotos. Dafür hat es sehr langes Fell auf dem Kopf, und mit seinen Krallen stopft es etwas in sein Maul. Die Jungs werden drei Augen machen.
Das Problem ist nur: Das Monster will wieder nach Hause.
Können Monster denn ein Zuhause haben? Und überhaupt, wer ist denn jetzt das Monster? Es geht um Toleranz, es geht um Respekt, Anderssein, und darüber, daß dieses Anderssein völlig OK ist. Die Zeichnungen sind wirklich umwerfend gut. Lustig. Mit vielen sehr, sehr guten Ideen. Die Frau sollte dafür einen Preis bekommen. Ähnlich wie bei den Findus-Büchern stößt man dauernd auf neue, witzige Kleinigkeiten. Ich finde es toll.
Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln