Zur Autorin/Zum Autor:
Hans-Dieter Gelfert war Professor für englische Literatur an der Freien Universität Berlin und ist freischaffender Autor.

Eine Biografie, die sich bewußt mit dem Kontext zwischen Autor und Werk beschäftigt. Eine Biografie, so packend geschrieben wie ein guter Roman.
In einer kalten Oktobernacht 1849 wird ein Mann vor einem Wahllokal in Baltimore aufgefunden; bis zur Bewußtlosigkeit betrunken und in fremden Kleidern. Vier Tage später stirbt er. Seine letzten Worte waren: »Gott helfe meiner armen Seele«. Bis heute sind weder die näheren Umstände geklärt, wie der Mann, der sich nach einer erfolgreichen Vortragsreihe eigentlich auf dem Weg nach New York befand, in Baltimore landete, noch wie er zu den fremden Kleidern kam. Sein Name: Edgar Allen Poe.
Die Vorstellung, er wäre am 19. Januar 200 Jahre alt geworden, hätte beim Großmeister des makaber-morbiden Genres vielleicht nicht wenig Gefallen gefunden. Edgar Allen Poe, damit verknüpfe ich erste Leseerlebnisse.
Jetzt ist im C.H. Beck Verlag ein schmaler Band erschienen, der sich unter den groß angelegten Biografien dadurch behaupten kann, indem er sein Augenmerk hauptsächlich auf die »Wechselbeziehungen zwischen Leben und Werk« des Autors lenkt. Zuvor hatte ich nie eine Poe-Biographie gelesen, ich wußte das mit der ewigen Armut, den Depressionen und Selbstmordversuchen, ich wußte das mit dem Alkohol, daß er kaum zwei Gläser vertrug, ich wußte … eigentlich gar nichts. Jetzt lese ich z.B., daß er ein begnadeter Lyriker und Verfasser von Humoresken war, dazu ein strenger Rezensent, dessen vernichtende Buchkritiken schon mal 40 Seiten und mehr umfaßen konnten, daß er unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde und mit 27 Jahren seine 14jährige Cousine heiratete. Gelferts Biographie ist aber nicht nur reich an Fakten, ist gut geschrieben und gut gemacht, sie zeugt von enormen Wissen und einem geradezu detektivischem Gespür, wenn es darum geht, hinter die Kulissen dieses Getriebenen zu blicken. Edgar Allen Poe. Der Mensch in seinem Werk. Eine Entdeckung.
Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln