Zum Buch:
Mark Twain sagte einmal, dass nichts umsonst erschaffen wurde, die Fliege jedoch nicht weit davon entfernt sei.
Heute geht man allgemein davon aus, dass jenes „Erschaffen“ vor rund 18 Milliarden Jahren mit dem Urknall begonnen hat. Doch wenn man bedenkt, dass eine winzige Anomalie ausschlaggebend war – erst hat ein Atom seine Flugbahn geändert, ist darauf in einer Milliardstelsekunde mit einem anderen Atom zusammengestoßen, was eine Kettenreaktion ausgelöst hat –, dann ist der Gedanke nicht weit, dass das alles auch hätte völlig anders kommen können.
Und genau darüber hat Telmo Pievani, Professor für Philosophie und Wissenschaft, ein vor verblüffenden Erkenntnissen strotzendes Buch geschrieben, dessen Lektüre den Leser mit jeder Seite in weiteres Staunen und Grübeln versetzt.
Er geht dabei von der These aus, dass die Evolution seit jeher dem Gesetz der Unvollkommenheit unterlag, dass sie auf ihrer Reise nichts plant, sondern stets nach neuen Lösungen sucht – und daher unvollkommen bleiben muss. Evolution, so schreibt Pievani, ist die „Nutzbarmachung des Möglichen“, für deren Erfolg jedoch nicht garantiert wird. Er gibt hierfür Dutzende Beispiele an, angefangen vom Schnabeltier, dass Fell und Flossen besitzt, über Biene, die beim Zustechen sterben muss, bis zu den menschlichen Ohrläppchen oder unserem Steißbein, die zu nichts taugen. Oder eben der lästigen Fliege.
Axel Vits, Köln