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Als die Boxen in den Bäumen hingen

Autor
Blackwell, Chris; Morley, Paul

Als die Boxen in den Bäumen hingen

Untertitel
Die unglaubliche Geschichte von Island Records. Mit einem Vorwort von Christoph Becker. Aus dem Englischen Jan Szlovak
Beschreibung

Alles fing an mit einer gemieteten alten Wurlitzer-Jukebox auf Jamaika und der Jagd nach den neuesten und besten Songs. Was daraus wurde? Eines der größten Plattenlabels der Welt, das Berühmtheiten wie Bob Marley, Tom Waits und U2 hervorbrachte. Wenn Chris Blackwells Autobiografie frei erfunden wäre, so wäre das auch nicht so schlimm – der absolute Lesegenuss bleibt bestehen.

Voller überraschender Begegnungen und illustrer Geschichten liest sich das Leben von Chris Blackwell wie ein Abenteuerroman: Als die Boxen in den Bäumen hingen ist ein leidenschaftlicher Streifzug voll Rhythmus und Melodie durch die Jahrzehnte, die die Popmusik bis heute prägen.

(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Matthes & Seitz Berlin, 2026
Seiten
364
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-7518-2062-2
Preis
28,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Chris Blackwell, 1937 in London geboren, ist Film- und Rumproduzent, Grundstücksentwickler und Hotelier. Berühmtheit hat er vor allem als Gründer von Island Records erlangt.

Paul Morley, Ghostwriter, englischer Musikjournalist (NME u. a.), Mitgründer von ZTT Records und Art Of Noise, Musikproduzent, Moderator der englischen Late Show, Autor diverser Musikbücher (über Bob Dylan, Joy Division, David Bowie u. a.)

Zum Buch:

„Gibt es vielleicht irgendeine Möglichkeit, von Ihnen ein Glas Wasser zu bekommen?“
Mit dieser zögernd vorgebrachten Bitte betritt der damals achtzehnjährige Chris Blackwell die windschiefe Hütte eines Rastafari, nachdem er vor Tagen mit seinem Boot an der Südküste Jamaikas gestrandet und meilenweit durch den dichten Dschungel geirrt war. Das es Rastafaris gab, wusste Chris natürlich. Nur gesehen hatte er noch keinen. Siebzehn Jahre später wird er den Sänger und Songreiter Bob Marley entdecken und ihm zu Weltruhm verhelfen, doch bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Chris Blackwell, zu jener Zeit ein „antriebsloser, angloirisch-jamaikanischer“ Internatsschüler, wie er sich in seiner Autobiografie selbst beschreibt, schlägt sich 1955 mit Gelegenheitsjobs durch und weiß ansonsten nicht wirklich viel mit sich anzufangen. Es ist die Zeit des Umbruchs, in der sich der karibische Inselstaat auf seine Unabhängigkeit vorbereitet. Alles ist möglich. In der Folge verdingt sich Chris, der stets in Flip-Flops und Shorts unterwegs ist und sich früh den Ruf eines Rebellen zugelegt hat, als Klimaanlagenverkäufer und Wasserskilehrer und lässt sich dafür bezahlen, nach Drehorten für den ersten James-Bond-Film Ausschau zu halten.

Seine Erfolgsgeschichte beginnt damit, dass er die Konzession für eine damals erst populär gewordene Wurlitzer-Jukebox ergattert, die er bald darauf rund um die Insel vermietet. Was ihn jedoch von seinen Konkurrenten unterscheidet: Er begibt sich regelmäßig auf die Jagd nach immer neueren, immer ausgefalleneren Interpreten – und lernt so herauszufinden, welche Art von Musik die Leute mögen. Der Gedanke, in eigener Regie Platten zu produzieren, lässt dann auch nicht lange auf sich warten, und berühmte Namen wie Marianne Faithful, Peter Tosh, Cat Stevens, Grace Jones, Tom Waits oder Bands wie Ultravox oder U2 wären heute wenig, noch wahrscheinlicher aber gar nicht erst bekannt geworden.

Aber bei Chris Blackwells Biografie geht es keineswegs um bloßes Namedropping, das wäre ihm zu langweilig gewesen, es ist vielmehr die hervorragend unterhaltsam und flüssig geschriebene Geschichte eines unkonventionellen jungen Mannes aus betuchtem Elternhaus, der sich auf seine ganz eigene Art und Weise gegen die Regeln stemmt und dabei sein Ziel nicht aus den Augen lässt.

Es ist eine Hommage an die gute alte Schallplattenzeit und gleichzeitig ein Stück gelebten Lebens, das voller überraschender Wendungen steckt. Wenn Chris Blackwells Autobiografie frei erfunden wäre, so wäre das auch nicht so schlimm – der absolute Lesegenuss bleibt bestehen.

Axel Vits, Köln