
Andreas Bockisch, Jahrgang 1966, ist kein Roßschlächter. Wäre er aber einer geworden, hätte in der halleschen Reilstraße diese Tradition fortbestanden? Seine detailgenauen Beschreibungen dieses Handwerkes und der langen Familientradition der „Roßschlächterei Tennemann“ mit Gastronomie lassen uns seine tiefe Verwurzelung mit dem beruflichen Erwerb seines Urgroßvaters, Großvaters, Tanten ... nachhaltig spüren. Faktenreich, aber auch anekdotenhaft, zieht er uns tief in die Welt der Roßsschlächter – in ein unbekanntes Stück Stadtgeschichte. Wo heute Fleischprodukte gegen vegane „Nachahmer“ kämpfen müssen, ist längst kein Platz mehr für Roßfleisch. Aber warum eigentlich? Andreas Bockisch öffnet uns – auch mit unzähligen Fotografien – die Welt eines vermeintlich ausgestorbenen Handwerkes. Und zeigt, wie Familie und Handwerk auch in den gesellschaftlichen Umbrüchen des 19. Jahrhunderts überlebt haben. Auch mit einem Versuch in Amerika … Ergänzt wird die Familiengeschichte in der Reilstraße 10 um eine gut recherchierte und bebilderte Darstellung der Handwerksbetriebe, Geschäfte und gastronomischen Einrichtungen rund um das Reileck des letzten Jahrhunderts.